Einigungshilfe

Konflikte in Quarantäne-Zeiten

Artikel vom 01.04.2020, Jürgen von Oertzen

Vieles ändert sich gerade disruptiv, d.h. plötzlich und unvorhersehbar, wie der Luftdruck bei einer Explosion: Viren breiten sich exponentiell aus, Quarantäne-Maßnahmen fast ebenso schnell, und Menschen und Unternehmen reagieren darauf. Vieles sind vorhersagbare Reaktionen, manches aber auch überraschend: Plötzlich ist, inhaltlich überhaupt nicht zusammenhängend, das Klopapier knapp. Solche systemische, unvorhersagbare („kontingente“) Effekte treten so ähnlich auch in ungesteuerten Konflikten auf.

Umso wichtiger ist es, in diesen Zeiten disruptiver Veränderungen Konflikte nicht ungesteuert zu lassen. Die Versuchung dafür kann groß sein, denn die Zeit, in der sich Konflikte verdrängen lassen (sozusagen: die Inkubationszeit), wird durch Home-Office verlängert. Doch leider sind die Konflikte damit nicht weg, sondern nur unter dem Teppich.

Und neuartige Konflikte treten auf: Mehr noch als sonst muss ich mich darauf verlassen können, dass meine Kollegen zuhause genauso diszipliniert arbeiten wie ich. Mehr noch als sonst müssen Führungskräfte über intrinsische Motivation führen – in Zeiten, in denen sie selbst auch mehr als sonst angespannt sind, und in denen nie klar ist, wer nächste Woche noch zur Arbeit kommen darf, welche Kunden stornieren und welche Vorprodukte nicht mehr lieferbar sind.

Ganz andere, aber nicht minder starke Anspannung spüren die, die physisch zur Arbeit gehen. Konflikte zwischen den „Hygienischen“, die wirklich zu allen Kollegen 2 Meter Abstand halten wollen, und den anderen, die die Gefahr lieber verdrängen zugunsten einer guten Arbeitsfähigkeit, sind zu erwarten.

Die Pathogenität, also die Fähigkeit, die Organisation zu stören, ist derzeit bei allen Konflikten aufgrund der allgemeinen Anspannung höher als sonst: Da ist Angst vor Corona und Insolvenz, Ärger über Panikmache und Übertreibungen, Trauer über abgesagte Veranstaltungen und bald vermutlich auch über Verstorbene.

Viel Toleranz ist derzeit gefragt von jeder Einzelnen. Für Führungskräfte ist es derzeit umso wichtiger, auch aufkeimende Konflikte gelassen, aber kraftvoll anzugehen, damit zu den Risiken von Corona und Quarantäne nicht auch noch Konflikt-Risiken hinzukommen.

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